Müdigkeiten

Ich habe sie alle:

Die normale Müdigkeit, die sich einstellt, wenn man in der Nacht zu wenig geschlafen hat. Sie beunruhigt mich nicht; dann ist man eben mal nicht ganz so leistungsfähig; das schläft sich aus.

Die unerklärliche Müdigkeit, die mich ins Bett zwingt, wenn ich nachmittags aus dem Büro nach Hause komme, obwohl ich normal geschlafen habe. Sie ist ärgerlich, weil sie verhindert, dass ich das wenige Tageslicht nutze, das der Winter bietet.

Die körperliche Schwere, das Grippegefühl ohne Grippe, die verdoppelte Gravitation. Immer wieder mal, bei normalem Blutbild, unauffälligen Thyroxin- und TSH-Werten, nicht weiter alarmierendem Schilddrüsen-Ultraschall und -Szintigramm und harmlosem Magenspiegelungsbefund. Vitamin D kommt bisher nicht dagegen an.

Die Erschöpfung, die sich einstellt, wenn eine halbe Stelle ausufert. Belastend, weil man trotz aller Überstunden doch nie schafft, was man sich vorgenommen hat. Beschämend zudem, da die andere Hälfte meiner Zeit und Energie in dieses Projekt fließen sollte und ich den Unterstützern immer noch ein Buch schulde.

Und, let’s face it, die Depression. Die Doppelverglasung zwischen meiner Umwelt und mir. Lange als Winterblues durchaus korrekt beschrieben und mit einer Tageslichtlampe in die Schranken verwiesen. Dieses Jahr reicht das nicht mehr. Wie in der Hypothyreose vor einigen Jahren, kurz vor der Hashimoto-Diagnose, kostet bereits das Aufstehen an manchen Tagen mehr Kraft, als mir zur Verfügung steht. Kleine Widrigkeiten reichen dann, um mich bis zum späten Mittag auszuschalten. Freundschaften und Bekanntschaften leiden unter der Passivität; es fehlen belebende Begegnungen und Sinneseindrücke; man merkt das und kann gerade drum nicht aus seinem Schneckenhaus: der alte Teufelskreis.

Am Samstag beginnt, weit weg von hier, die „Zeit zwischen den Jahren“, in der ich nichts leisten muss. Im Januar sehen wir weiter: Die Tage werden länger; die halbe Stelle wird zurückgestutzt; Buch und Blog kommen zu ihrem Recht. Und vielleicht fällt meiner Ärztin noch etwas ein.

4 Gedanken zu „Müdigkeiten

  1. frintze

    Liebe Andrea! Mit Müdigkeiten kenne ich mich unterdessen auch aus, bin seit kurzem ebenfalls mit Hashimoto diagnostiziert – hab nur das Glück, dass L-Thyroxin ziemlich schnell dagegen angekommen ist (erst mal). Was ich in Deiner Liste der Gegenmaßnahmen und Befunde nicht fand, das war der Eisenwert. Das war bei mir heftig und geht ja auch gerne mal mit Hashimoto einher. FALLS Du das noch nicht abgecheckt hast – vielleicht könnte das noch was bringen – hatte bei mir jedenfalls, auch vor LT, deutliche Effekte! Und was ich noch kürzlich gehört habe, das ist, dass auch eine unerkannte Borreliose depressive Verstimmungen und Antriebslosigkeit mit sich bringen kann. Ich wünsche gute Besserung und frohe Festtage! Immerhin werden die Tage ja jetzt wieder länger… Herzliche Grüße! Friederike/ frintze

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    1. Andrea Kamphuis Artikelautor

      Liebe Friederike,
      vielen Dank für den Tipp, und bitte entschuldige die späte Antwort. Eisenmangel hatte ich vor einigen Jahren, wohl wegen des monatlichen übermäßigen Blutverlusts durch Myome – aber diese Ursache für Eisenverlust wurde gründlich abgestellt. 😉 Eisen wurde diesmal nicht mitgemessen; ich notiere es mir für das nächste Blutbild. Inzwischen schlägt zum Glück *irgendetwas* an – sei es das Vitamin D, sei es die berufliche Entlastung, sei es das wiederkehrende Tageslicht. Das berühmte Licht am Ende des Tunnels!
      Herzliche Grüße
      Andrea

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  2. Karsten Wenzlaff

    Liebe Andrea, ich bin ja einer deiner Unterstützer für das Auto-Immunbuch und kann aber nur für mich sprechen: Mir bist Du kein Buch schuldig. Dein Blog und Deine Facebook-Post sind informativ und spannend und ich hoffe es geht Dir gut. Wenn das Buch niemals fertig ist, ist es auch nicht schlimm – manchmal ist der Weg auch das Ziel. Für alle anderen Sachen wünsche ich Dir trotz allem viel Kraft und Energie – aber jetzt erstmal ein paar erholsame Feiertage!

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    1. Andrea Kamphuis Artikelautor

      Lieber Karsten,
      bitte entschuldige die späte Antwort. Ich freue mich über deinen Zuspruch und die Entlastung in Sachen Buch! Dennoch werde ich wohl noch mal alle Unterstützer anschreiben und ihnen signalisieren, dass ich ihnen den Unterstützungsbetrag jederzeit gerne zurückerstatte, ohne dass sich das negativ auf die Chance oder den Zeitpunkt der Fertigstellung des Buches auswirken würde. Und selbstverständlich würden sie trotzdem am Ende ein Exemplar des Buches erhalten, denn ihre Hilfe war als Startsignal Gold wert.
      Hier geht es allmählich etwas bergauf, und heute wird endlich mal wieder gezeichnet – für Blog und Buch.
      Herzliche Grüße
      Andrea

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