Risiko weiterer Autoimmunerkrankungen bei Autoimmun-Thyreoiditis

Schilddrüse (Gray's Anatomy, 1918)

Kristien Boelaert et al.: Prevalence and Relative Risk of Other Autoimmune Diseases in Subjects with Autoimmune Thyroid Disease. Am J Med, 123/2, 2010; 183.e1-183.e9, doi: 10.1016/j.amjmed.2009.06.030

Notizen noch nicht allgemein verständlich aufbereitet

Abstract

Querschnittstudie an 3286 weißen britischen Patienten (2791 mit Morbus Basedow und 495 mit Hashimoto-Thyreoiditis), Fragebogen zu eigenen und elterlichen Autoimmunerkrankungen und zu einer Hyper- oder Hypothyreose bei den Eltern  

9,67% der Patienten mit Morbus Basedow sowie 14,3% der Hashimoto-Patienten hatten mindestens eine weitere Autoimmunerkrankung – am häufigsten rheumatoide Arthritis (bei 3,15% bzw. 4,24% der Patienten). Auch die relativen Risiken aller anderen Autoimmunerkrankungen waren bei den Patienten mit einer Autoimmunthyreoiditis signifikant erhöht, und zwar um mindestens das Zehnfache für perniziöse Anämie, SLE, Nebennierenrindeninsuffizienz, Zöliakie und Vitiligo.

Eltern von Patienten mit Morbus Basedow hatten öfter Hyperthyreose, Eltern von Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis öfter Hypothyreose. Auch die meisten anderen Autoimmunerkrankungen kamen bei den Eltern deutlich häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung.

Diskussion

Dass rheumatoide Arthritis bei den Eltern der Patienten häufiger vorkommt als bei den Patienten selbst, mag durch den Altersunterschied bedingt sein, denn RA ist bei alten Menschen verbreiteter als bei jungen. Patienten, die Morbus Basedow und RA hatten, waren bei der Basedow-Diagnose älter als jene, die keine RA hatten. Die Ergebnisse deuten auf einen realen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen hin.

Die sehr deutliche Häufung von Nebennierenrindeninsuffizienz unter den Basedow- und Hashimoto-Patienten mag zu einem kleinen Teil durch die Auswirkungen der Nebennierenrindeninsuffizienz auf die Schilddrüsenfunktion zu erklären sein, aber diese Auswirkungen dürften eigentlich nur selten mit Basedow oder Hashimoto verwechselt werden. Es kann sein, dass Patienten, die eine Autoimmunthyreoiditis und Nebennierenrindeninsuffizienz haben, länger auf dem Radar der Krankenhäuser blieben als „einfache“ Basedow- oder Hashimoto-Patienten und daher in der Stichprobe überrepräsentiert waren.

Diabetes vom Typ 1 kam bei Männern mit Morbus Basedow besonders häufig vor. Umgekehrt wurden bei einer systematischen Untersuchung von Diabetespatienten zahlreiche bis dahin nicht diagnostizierte Schilddrüsen-Autoimmunerkrankungen festgestellt. Auch genetische Studien (darunter GWAS) weisen stark auf einen echten Zusammenhang zwischen Typ-1-Diabetes und Autoimmun-Thyreoiditis hin, also auf gemeinsame Genorte für die Empfänglichkeit für beide Erkrankungen.

Die Daten für alle untersuchten Autoimmunerkrankungen weisen auf Clustering hin, das wiederum für echte Zusammenhänge zwischen den Krankheiten spricht. Einige Erkrankungen treten sowohl bei Morbus Basedow als auch bei Hashimoto-Thyreoiditis gehäuft auf, aber diese beiden Erkrankungen haben durchaus unterschiedliche Risikoprofile. Das spricht entweder für unterschiedliche Prädispositionsgene oder für unterschiedliche Auslöser in der Umwelt.

Da es kaum aktuelle Daten über die Häufigkeit der einzelnen Autoimmunerkrankungen in Großbritannien gibt, konnten die in der Studie ermittelten relativen Häufigkeiten nicht mit altersmäßig passenden Häufigkeiten in der Allgemeinbevölkerung verglichen werden (age-matched comparisons).

Dass viel mehr Basedow-Patienten als Hashimoto-Patienten in die Studie einbezogen wurden, liegt daran, dass die meisten Patienten mit Hypothyreose nicht von Kliniken, sondern von ihren Hausärzten behandelt werden. Die für Hashimoto-Patienten ermittelten Zahlen gelten also nur für Klinik-Populationen.

Zusammenfassung

Angesichts der hohen relativen Risiken empfehlen die Autoren eine niedrige Schwelle für Untersuchungen und Tests zum Nachweis weiterer Autoimmunerkrankungen von Basedow- und Hashimoto-Patienten, die sich trotz Behandlung ihrer Schilddrüsenerkrankung nicht wohlfühlen oder neue Symptome entwickeln. Außerdem sollte die mögliche gemeinsame genetische Basis für Prädispositionen für mehr als eine Autoimmunerkrankung weiter untersucht werden, z. B. HLA, CTLA4, CD25 und PTPN22.

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