Moncef Zouali (Hg.), The Epigenetics of Autoimmune Diseases – Vorwort

Dieses 2009 bei Wiley-Blackwell erschienene Fachbuch, das zum Glück in der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin in Köln zu entleihen ist, wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen – so sehr ballen sich auf über 400 Seiten die Informationen über die Schnittmenge zwischen der Erforschung der Autoimmunkrankheiten und dem „shooting star“ unter den biologischen Disziplinen, der Epigenetik.

Ich werde die 23 Kapitel peu à peu durcharbeiten und ihre Kernaussagen hier vorstellen. Dabei bemühe ich mich noch nicht um Allgemeinverständlichkeit; es handelt sich eher um leicht geglättete Exzerpte. Erläutert werden die Fachbegriffe und Sachverhalte später in Beiträgen der Kategorie „Neues vom Buch“ und in meinen Videobeiträgen.  

Im Vorwort zitiert der Herausgeber Moncef Zouali vom Institut national de la santé et de la recherche médicale (Inserm) in Paris eine neue Definition der Epigenetik, die Adrian Bird kürzlich vorgeschlagen hat: „the structural adaptation of chromosomal regions so as to register, signal or perpetuate altered activity states“. Zu den Mechanismen dieser Strukturanpassung zählen die Cytosin-Methylierung, kovalente Histonmodifikationen, Acetylierung, Phosphorylierung und Ubiquitinierung, die oft mannigfach und kombiniert auftreten.

Dass die Epigenetik erst in den letzten Jahren aufblühte, ist leistungsfähigen neuen Forschungsmethoden wie den high-density whole-genome microarrays zu verdanken. So wurde beispielsweise aufgeklärt,

  • wie genetisch identische weibliche Honigbienen-Larven allein durch unterschiedliche Fütterung zu Arbeiterinnen und Königinnen werden können,
  • wie unterschiedliche Reproduktionstaktiken (Sexual- und Fürsorgeverhalten) weiblicher Ratten das Neuroendokrinsystem ihrer Töchter dauerhaft verändern können und
  • warum beim Menschen selbst eineiige Zwillinge nicht immer dieselbe Krankheitsanfälligkeit zeigen.

Epigenetische Veränderungen wie die Methylierung/Demethylierung oder die Acetylierung/Deacetylierung der Promotoren von Genen sind potenzielle Ziele neuer Medikamente, die bislang unheilbare Erkrankungen eines Tages vielleicht rückgängig machen könnten.

Laut Zouali sind 5-10 % der Weltbevölkerung von Autoimmunkrankheiten betroffen. Das von ihm herausgegebene Buch soll eine umfassenden Überblick über die epigenetische Regulierung und Deregulierung der Immuntoleranz gegen Selbst-Antigene geben.

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