Ernährung und Autoimmunerkrankungen, Teil 1

Biothymian mit Vorkoster

Achtung: Bitte lesen Sie diesen Text nicht als Empfehlung für oder gegen bestimmte Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel. Ich fasse hier lediglich Literatur zusammen. Was die Autoren schreiben, muss nicht stimmen und kann z. B. durch neuere, gründlichere Studien überholt sein!

Zwar gebe ich in diesem Blog keine Behandlungsempfehlungen ab; das wäre leichtsinnig, da ich keine Medizinerin, sondern Biologin bin. Zudem liegt jeder Fall anders, sodass pauschale Tipps gefährlich sein können. Dennoch möchte ich hier einige Notizen zusammentragen, um Betroffenen Anhaltspunkte für eigene Recherchen oder Beratungsgespräche mit ihren Ärztinnen oder Ärzten zu geben. Den Anfang macht nicht ein Fachartikel, sondern ein Sachbuch, das ich hier bereits besprochen habe.

Donna Jackson Nakazawa, „The Autoimmune Epidemic“, Kap. 6 (2008)

  • Eine Ernährungsumstellung kann u. U. die Zytokin(über)produktion bei Autoimmunerkrankungen dämpfen.
  • Vitamin-D-Mangel kann zum Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose, rheumatoider Arthritis oder Morbus Crohn beitragen. Der menschliche Körper braucht Sonnenlicht auf der Haut, um Vitamin D herzustellen. Viele Autoimmunerkrankungen zeigen einen (schwachen) Zusammenhang mit dem Geburtsmonat, bedingt durch Tageslichtmangel in einer entscheidenden Phase der Schwangerschaft. Achtung: Bei Einnahme von Vitaminen unbedingt Überdosierungen vermeiden; vorher Arzt befragen!
  • Zu viel Nitrit und Nitrat in der Nahrung soll das Typ-1-Diabetes-Risiko erhöhen.
  • Der gelbe Lebensmittelfarbstoff Tartrazin steigert einigen Studien zufolge das Risiko von Asthma und allergischen Reaktionen und kann bei manchen Menschen evtl. sogar Lupus-Symptome hervorrufen.
  • In den USA, Großbritannien und Skandinavien ist Morbus Crohn häufiger als in Südeuropa, Asien und Afrika. Bei Südasiaten, die in eines dieser Länder einwandern, steigt die Prävalenz von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn rasch an, was gegen rein genetische Unterschiede und für einen Einfluss der Ernährung spricht.
  • Wenn bei Autoimmunerkrankungen die Auskleidung des Verdauungstrakts beschädigt und „undicht“ wird, können Bestandteile von Bakterien oder Nahrung in die Blutbahn gelangen, die dort nicht hingehören und eine Immunantwort auslösen.
  • Bei Morbus Crohn und anderen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann u. U. eine sog. Ausschlussdiät helfen. Immer mit dem Arzt besprechen!
  • Lebensmittelallergien oder -unverträglichkeiten könnten zur Auslösung von Autoimmunerkrankungen beitragen oder den Verlauf verschärfen.
  • Entzündungshemmend (oder zumindest nicht entzündungsfördernd) sollen folgende Lebensmittel wirken: Fleisch vom Weiderind, Lamm, Geflügel; Fisch mit geringer Quecksilberbelastung (Wildlachs, Makrele, Sardine, Flunder, Nördlicher Schnapper = Red Snapper, Tilapia); hormonfreie Eier; alle Gemüse außer Aubergine und Tomate; Avocados; frisches Obst; ungesüßter Joghurt; Vollkornbrot aus glutenfreiem Getreide; Naturreis, Bohnen, Nüsse, Samen und Sprossen; Honig; Biobutter, Oliven-, Lein- und Sesamöl, Lebertran; Rosmarin, Thymian, Oregano; grüner Tee.
  • Entzündungsfördernd oder aus anderen Gründen ungünstig sollen Weizen, Roggen und Gerste (wg. Gluten), raffinierte Kohlenhydrate (weißer Zucker, Weißbrot …), Kartoffeln und Auberginen, Nitrate, der Süßstoff Aspartam, Mais-, Sonnenblumen-, Färberdistelöl, Hefe usw. sein.
  • Um die Aufnahme von Pestizidrückständen zu verringern, die u. U. das Asthma- oder Lupus-Risiko erhöhen können, kann man Bio-Lebensmittel kaufen und Obst und Gemüse gründlich waschen.
  • Ein Mangel an Antioxidantien kann zu oxidativem Stress führen und wurde mit Multipler Sklerose, Lupus und rheumatoider Arthritis in Verbindung gebracht. Antioxidantien scheinen entzündungshemmend zu wirken. Sie sind unter anderem in Obst und Gemüse, Preiselbeeren, Blaubeeren, Brombeeren und Kirschen, Grünkohl, Spinat, Kakao, kleinen roten Bohnen, Kidneybohnen und schwarzen Bohnen in nennenswerten Konzentrationen enthalten.
  • Ungesättigte Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren (unter anderem enthalten in Wildlachs, Makrelen, Sardinen, Flundern, Schollen und weiteren Fischen sowie Meeresfrüchten) sollen sich günstig auf die Ausbruchswahrscheinlichkeit oder den Verlauf von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, rheumatoider Arthritis und Typ-1-Diabetes auswirken. Große Mengen an Omega-6-Fettsäuren sollen dagegen entzündungsfördernd wirken.
  • Curcumin, ein Farb- und Wirkstoff in Gelbwurzel oder Kurkuma, könnte bei der Vorbeugung gegen rheumatoide Arthritis und Osteoporose helfen. Allerdings waren die wirksamen Dosen in Tierversuchen sehr hoch, da es im Darm nur schwer aufgenommen wird.
  • Probiotische Lebensmittel, z. B. Joghurts, scheinen einigen jüngeren Studien zufolge doch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu helfen. (Nach meinem älteren Wissensstand war fraglich, ob die „guten“ Bakterien die Magenpassage überhaupt überleben.) Auch bei anderen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis wurden positive Auswirkungen festgestellt – vielleicht, weil die Bakterien angegriffene Darmschleimhäute wieder „abdichten“ (s. o.).
  • Weitere Studien weisen auf entzündungshemmende oder andere positive Auswirkungen von Grüntee-Extrakt, Traubenkernextrakt, Nachtkerzenöl, Avocado- und Sojabohnenextrakt, Weidenrinde, Ingwer, Teufelskralle (südafrikanische Heilpflanze), Katzenkralle (südamerikanische Heilpflanze), Weihrauchpflanze/Boswellia (indische Heilpflanze) hin.

Wie bereits in meiner Rezension erwähnt: Nakazawa ist keine Medizinerin oder Biologin, sondern Journalistin. Man ist sicher gut beraten, ihre Empfehlungen anhand der Fachliteratur oder im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Ernährungsberater zu überprüfen. Und wie sie selbst ganz deutlich schreibt: Auch sogenannte Naturheilmittel sind Arzneimittel; genau wie andere Wirkstoffe können sie bei unsachgerechter Verabreichung Schaden anrichten. Und das Bemühen um eine gesunde Ernährung sollte nicht in Stress ausarten, die Lebensqualität nicht auf der Strecke bleiben. Ich werde jedenfalls weiterhin Tomaten essen. :-)

7 Gedanken zu „Ernährung und Autoimmunerkrankungen, Teil 1

  1. Bea Löw

    Liebe Frau Kamphuis,
    interessante Infos über Ernährung und Autoimmunerkrankungen auf Ihrer Seite.
    Ich habe nur gesehen, dass Katzenkralle bei Autoimmunerkrankungen empfohlen sei – das ist soweit ich weiß nicht der Fall – im Gegenteil. KK regt stark das Immunsystem an, also Vorsicht bei Autoimmunerkrankungen – wir haben leider selbst sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht…
    Viele Grüße, Bea Löw

    Antworten
    1. Andrea Kamphuis Artikelautor

      Liebe Frau Löw, vielen Dank für Ihre Rückmeldung zur Katzenkralle, die ich zum Anlass nehme, ein neues Intro über diesen und den anderen Text zur Ernährung zu schreiben, um noch deutlicher zu machen, dass diese Texte keinen Empfehlungscharakter haben, sondern Darstellungen Dritter zusammenfassen. Ich habe jetzt einmal (schnell und unsystematisch) recherchiert: Katzenkralle hat einigen Studien zufolge entzündungshemmende Wirkung und soll insbesondere die Interleukine IL-1α, Il-1β, Il-17 und TNF-α inhibieren. Aber andere Seiten warnen in der Tat vor der anregenden Wirkung auf das Immunsystem.

      Antworten
    2. Lukas

      Liebe Frau Bea Löw,

      können Sie mir bitte begründen, warum es bei Autoimmunerkrankungen von Nachteil ist, das Immunsystem zu stärken? Gerade im Zusammenhang von Multipler Sklerose und der Katzenkralle. Gehen Sie in Ihrer Behauptung von der Vorraussetzung aus, dass Immunsupressiva eingenommen werden. Wenn keine Medikamentöse Behandlung stattfindet, wie bei meiner Partnerin, warum könnte die Katzenkralle von Nachteil sein?
      Ich habe mich eben erst eingelesen in die Katzenkralle und konnte noch keine negativen Auswirkungen ausfindig machen, außer einer anfänglichen Übelkeit. Ich bin sogar kurz davor, mir in Peru einen Tee zu bestellen, um ihn regelmäßig in kleinen Dosen begleitend einzunehmen mit meiner Freundin. Ihr Post irritiert mich nun, weswegen ich weiter forschen möchte und muss, bevor ich diesen Tee meiner Freundin empfehlen kann. Die Einnahme würde sie übrigens nicht ohne Erlaubnis eines auf dem Gebiet der Naturmedizin bewanderten Arztes beginnen. Wir wollen keine Experimente machen, wir möchten ihrem Körper Gutes tun. Es geht ihr soweit sehr gut. Eine Antwort mit Erfahrungen oder Belegen würde mich sehr freuen! Ich hoffe, diese Nachricht erreicht Sie!

      Besten Dank & Grüße,
      Lukas

      p.s. Ich biete Ihnen hiermit das „Du“ an.

      Antworten
      1. Andrea Kamphuis Artikelautor

        Hallo Lukas,
        ich glaube eher nicht, dass Bea Löw hier regelmäßig mitliest. Wenn Sie wollen, kann ich Ihre Frage und Ihre Mailadresse aber an die Mailadresse schicken, die sie damals bei ihrem Kommentar angegeben hat. Soll ich?
        Viele Grüße
        AK

        Antworten
  2. neko

    das mit mais stimmt auch nicht, anderen quellen zufolge wirkt mais beruhigend, entzündungshemmend und wundheilend, u.a. ich habe selbst die erfahrung gemacht, dass mais (in form von waffeln, polenta) meinem darm und meiner haut sehr gut tut.
    (außerdem schmeckt er wunderbar und ich würde auch nicht darauf verzichten wollen)
    was zucker angeht, scheint es doch wahr zu sein, seit ich mich zuckerfrei ernähre (süßes nur in form von obst zu mir nehme, und das auch nicht allzu oft) bin ich viel besser darn.
    schwören kann mann allerdings darauf nicht, es ist wohl eher so, dass jeder für sich selbst herausfinden muss, was einem gut tut, wenns denn einem daran liegt.. interessante beobachtungen macht man dabei trotzdem.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>