Archiv der Kategorie: Zeichnungen

Die Zeichnungen aus meinem Buch zur freien Verwendung in Vorträgen, Flyern usw. Quellenangabe: Dr. Andrea Kamphuis, https://autoimmunbuch.de

Gute Seiten, schlechte Seiten: Woran erkenne ich schlechte Bücher zum Klimawandel?

Diesen Kurzvortrag habe ich im Juli beim „Markt der Ideen“ von Extinction Rebellion auf dem Kölner Neumarkt gehalten. Wir, d. h. die Köln-Bonner Regionalgruppe der „Scientists for Future“, hatten dort einen Bücherstand, auf dem wir gute Sachbücher zum Klimawandel vorgestellt haben. Bei einer kleinen Marktrecherche habe ich während der Vorbereitung festgestellt, dass bei Amazon jede Menge wirklich schlechter, irreführender Bücher angeboten werden, zwischen denen die wissenschaftlich korrekten und aktuellen Werke fast untergehen.

Auch hier gilt wieder: Ich halte den Vortrag gerne noch mal; Anfragen bitte an die im Impressum genannte Mail-Adresse. Es gibt auch was zu Lachen dabei, und ich bringe gerne einige gute Bücher zu Reinschnuppern mit.

Die schlechten Werke möchte ich nicht im Einzelnen vorstellen oder zitieren, denn die Kommunikationswissenschaften haben gezeigt, dass dabei fast immer etwas im Gedächtnis haften bleibt – selbst wenn man klar dazu sagt, dass die Aussagen falsch oder fragwürdig sind. Stattdessen schlage ich einfache Regeln vor, um rasch zu erkennen, welche Bücher voraussichtlich nichts taugen.

Diese Faustregeln sind – jede für sich genommen – nicht unfehlbar; zum Beispiel gibt es auch gute Bücher mit reißerischem Titel. In der Summe können sie uns aber vor Fehlkäufen und Zeitverschwendung bewahren. Abgeleitet habe ich sie aus Recherchen zu einigen Dutzend schlechten Büchern im Angebot von Amazon – und aus meinem Hintergrundwissen aus der Buchbranche, in der ich einige Jahrzehnte gearbeitet habe.
Das erste Warnzeichen: reißerische Buchtitel. Und zugleich eine gute Nachricht: Alle mathematisch möglichen Kombinationen der Schlagworte Lüge, Klima, Verblödung, Öko-Diktatur, Falle, Hysterie und Machenschaft sind inzwischen aufgebraucht. Der Buchmarkt ist gesättigt. 😊

Das zweite Warnzeichen: Autoren (übrigens fast immer Männer), die zu allen möglichen Themen Bücher schreiben, also keine Experten in einem bestimmten Sachgebiet sind. Viele von ihnen sind Auftrags- oder Vielschreiber, die ihren Lebensunterhalt mit möglichst schnell produzierten Sachbüchern zu Skandel- und Modethemen verdienen; viele andere sind – gelinde gesagt – Exzentriker oder Esoteriker. So gibt es ein den Klimawandel leugnendes Buch von einem Herrn, der sich früher über die gleichzeitige Existenz von Frühmenschen und Dinosauriern ausgelassen hat.

Es sind aber auch Fachleute (im weiteren Sinne, also z. B. Ingenieure) unter den Autoren. Nicht alle leugnen die Tatsache der Erderwärmung an sich: Neben diesen sogenannten Trendskeptikern gibt es auch Ursachenskeptiker (Das Klima wandele sich, aber das liege nicht am Menschen), Folgenskeptiker (Das Klima wandele sich und das liege auch am Menschen, aber es sei nicht schlimm) sowie Konsensleugner (Die Wissenschaft sei sich noch uneins, woran es liege und welche Folgen der Wandel habe).

Einige Autoren waren früher selbst in der Umweltbewegung aktiv und haben sich nach Auseinandersetzungen abgewandt. Heute arbeiten manche von ihnen für Lobbyorganisationen, die eine Umstellung auf regenerative Energien zu verhindern versuchen.

Akademische Titel oder Grade sind keine Gewähr für Seriosität. Oftmals haben die Autoren sie in Fachgebieten erworben, die nicht viel mit dem Klima zu tun haben.

Die Institution, in der oder für die die Autoren arbeiten, kann ein Indiz für die Seriosität sein – wenn man genau hinschaut! „Institut“ ist keine geschützte Bezeichnung; man denke nur an all die „Kosmetik-Institute“. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist eine renommierte Forschungseinrichtung. Das „Institut für Klima und Energie“ (EIKE) ist dagegen eine Briefkasten-Einrichtung: eine Lobby-Institution mit Verbindungen zur AfD. Wenn man sich ein bisschen auskennt, sieht man auch der Website an, dass hier keine seriösen Forscher zu uns sprechen.

Der Verlag, in dem ein Buch erschienen ist, ist kein verlässliches Zeichen für Seriosität: Leider sind auch namhafte Verlage wie Bertelsmann oder Hoffmann und Campe dabei, die sich von sensationalistischen, vermeintlich mutig gegen den Mainstream gerichteten Titeln Umsatz versprechen. Einige der Titel erscheinen in Kleinverlagen aus der rechten bzw. obskurantistischen Ecke, z. B. im FinanzBuch Verlag („Tichys Einblick“).

Der Verkaufsrang bei Amazon ist ebenfalls ein problematischen Kriterium. Die Kategorien sind so kleinteilig, dass es nicht schwer ist , mit ein paar gezielten Käufen einen „Bestseller“ zu suggerieren. Gerade wenn ein Buch in den Kreisen von Klimawandel-Leugnern eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, kann es auf den vorderen Plätzen landen.

Auch die Zahl und der Mittelwert der Kundenrezensionen sind mit Vorsicht zu genießen: Viele Leser*innen von Büchern, die den Klimawandel leugnen, sind so beseelt von ihrer Mission, dass sie am laufenden Band lobende Besprechungen schreiben – und zugleich Verrisse seröser Werke zum Klimawandel.

Ein Blick auf die „Kunden kauften auch“-Rubrik bei Amazon kann dagegen gute Hinweise geben. Wenn da zum Beispiel rechte Autoren auftauchen, spricht das gegen die Seriosität des Klima-Buchs.

Spielt das Erscheinungsjahr eine Rolle? Ja. Zwar sind die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimas und des Klimawandels schon länger bekannt. Aber in den letzten Jahren hat es einen enormen Wissenszuwachs gegeben, und auch die politischen, gesellschaftlichen und technologischen Rahmenbedingungen ändern sich rasch. Dass z. B. das „Lexikon der Öko-Irrtümer“ von Miersch und Maxeiner – 1998 erschienen – noch heute unverändert vermarktet wird, ist höchst bedenklich. (Herr Miersch ist inzwischen für die „Deutsche Wildtier Stiftung“ tätig, eine Lobbyorganisation, die den Ausbau regenerativer Energien bekämpft.)

Die alten Schinken werden durchaus noch gelesen, wie neue Kunden-Besprechungen zeigen. Ein Kuriosum zum Abschluss: 2017 erschien ein Text eines bereits 1939 verstorbenen Autors – unter dem Titel „Der erdgeschichtliche Klimawandel: Den wahren Ursachen von Klimaschwankungen auf der Spur“. Der alte Text dient dem Herausgeber als Vehikel für seine eigene Klimawandel-skeptische Botschaft.

Klimawandel: Der Makrelen-Streit

Kurzvortrag mit vier Flipchart-Blättern, also ohne Stromverbrauch vorgetragen – aber zur Not auch mit einem Beamer zu halten, etwa vor großem Publikum. Der Vortrag dauert je nach Fragefreudigkeit der Zuhörer*innen 20 bis 30 Minuten. Vortragsanfragen bitte an die im Impressum genannte Mailadresse!

Das Goldilocks Principle in der Ökologie: Viele Umweltparameter wie die Wassertemperatur im Meer müssen „gerade richtig“ sein, damit Organismen gedeihen. Wird es z. B. zu warm, wandern viele Arten in Richtung der Pole ab. Um wieder in ihren Wohlfühlbereich zu gelangen, müssen sie in den Meeren wegen der flacheren Temperaturgradienten weitere Strecken zurücklegen als an Land.

Der Fang von Makrelen (Scomber scombus) galt lange als nachhaltig, war zertifiziert vom Marine Stewardship Council (MSC). Ab 2007 haben sich die Bestände abrupt weit nach Norden verlagert. Seither beanspruchen Island, die Färöer und Grönland erheblich größere Fangmengen für sich. Da sie sich mit den angestammten Makrelenfang-Nationen nicht einigen konnten und weit mehr fangen, als diese für vertretbar halten, wurde die Zertifizierung aufgehoben.

Arten, die nicht so rasch und so weit abwandern können, droht ein phänologischer Mismatch. So können Jungtiere zu einem Zeitpunkt schlüpfen oder geboren werden, wenn ihre wichtigste Nahrungsquelle schon verschwunden ist – oder sich noch nicht entwickelt hat. Die phänologischen Jahreszeiten haben sich durch die Erderwärmung bereits bis zu 4 Wochen vorverlagert. Zum Beispiel schlüpfen Heringslarven in der erwärmten Ostsee inzwischen so früh im Jahr, dass die Algen, von denen sie leben, noch nicht ausreichend gewachsen sind (denn die orientieren sich eher an der Tageslänge als an der Temperatur).

Mobile Generalisten wie die Makrelen kommen mit den Veränderungen besser zurecht als weniger mobile Spezialisten wie die Heringe.

Dramatische Veränderungen bei mobilen Arten wie den Makrelen sind wichtige Warnsignale für das, was in den nächsten Jahrzehnten noch kommt. Naturschutzmechanismen wie das Ausweisen von Schutzgebieten oder Fangquoten-Verhandlungen sind u. U. zu langsam, um zum Beispiel mit der Abwanderung von Populationen in Richtung Nordpol schrittzuhalten.

Hashimoto-Thyreoiditis: Wenn das Immunsystem ein lebenswichtiges Organ angreift

Ich habe kürzlich einen Vortrag gehalten, auf dessen Folien neben Zeichnungen aus Band 1 und für Band 2 auch einige neue Zeichnungen vorkommen. Der Vortrag dauert etwa 45-60 Minuten, ist also für eine 90-minütige Veranstaltung geeignet, etwa bei Selbsthilfegruppen oder in Bildungseinrichtungen oder Kliniken. (Anfragen bitte an die im Impressum genannte Mailadresse!)


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Abb. 256: Menschwerdung und Evolution des Immunsystems

Ausblick auf Band 2. Aus dem Wald in die Savanne: eine Lebensraumveränderung, die sich auf die Pathogene unserer Urahnen auswirkte – und damit auf ihr Immunsystem. Warum heute so viele Menschen Autoimmunerkrankungen bekommen, das lässt sich nur evolutionsbiologisch und ökologisch verstehen.

Sie dürfen diese Zeichnung gerne in Folien etc. übernehmen, sofern Sie die Quelle angeben: Dr. Andrea Kamphuis, https://autoimmunbuch.de

Abb. 255: Sekundäre Nekrose

Bei einer sekundären Nekrose werden Zellen nach ihrer Apoptose so lange nicht entsorgt, dass sie undicht werden und entzündungsfördernde Zellen anlocken – so, wie ein nicht geleerter Mülleimer Krankheitsüberträger anziehen kann.

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Abb. 254: Die Rolle von Alpha-Interferon bei der Entstehung systemischer Autoimmunerkrankungen

Erläuterungen im Fließtext des Buches. Abk.:

MΦ = Makrophage

AG = Antigene

AK = Antikörper

IK = Immunkomplexe aus Antigenen und Antikörpern

B = B-Zelle/Plasmazelle

♀ = Estrogen

NK = natürliche Killerzelle

Σ >> 0 = Summe größer Null, also mehr aktivierende als hemmende Signale

pDC = plasmazytoide dendritische Zelle

α = Alpha-Interferon

TH = T-Helferzelle

APC = antigenpräsentierende Zelle

CD4+ = CD4+-T-Zelle, z. B. T-Helferzelle

CD8+ = zytotoxische T-Zelle

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Abb. 253: Systemische Autoimmunerkrankungen

Angeborene Abwehr (links) und erworbene Abwehr (rechts) können einander bei einer systemischen Autoimmunerkrankung pathologisch verstärken. Die angeborene Abwehr – hier vertreten durch eine dendritische Zelle, eine natürliche Killerzelle, einen eosinophilen Granulozyten, einen Monozyten und einen Makrophagen – aktiviert B- und T-Zellen zum Beispiel über Botenstoffe wie Alpha-Interferon (IFN-α), transforming growth factor beta (TGF-β), den B-Zell-Aktivierungsfaktor (BAFF), die verstärkte Präsentation von Autoantigenen auf einem Übermaß an MHC-Klasse-II-Molekülen und die Freisetzung immer weiterer Autoantigene im Zuge einer Entzündungsreaktion. Die erworbene Abwehr – hier vertreten durch verschiedene T- und B-Zellen sowie Antikörper – produziert ihrerseits Stoffe, die die angeborene Abwehr alarmieren, etwa IL-6, IL-17, Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α), Lymphotoxin alpha (Lt-α), sowie Antikörper und Immunkomplexe.

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Abb. 252: Gestörte Einlasskontrolle

Bei Autoimmunerkrankungen werden die falschen Zellen in das tertiäre Lymphgewebe eingelassen: CD8+-T-Zellen, die auf die Eliminierung von Viren spezialisiert sind, werden ausgesperrt. Autoreaktive B-Zellen dürfen dagegen passieren und richten infolge ihrer Vermehrung und Affinitätsreifung viel Unheil an.

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Abb. 251: Tertiäres Lymphgewebe

Tertiäres Lymphgewebe entsteht in der Nähe hartnäckiger Entzündungsherde. Wie in normalen Lymphknoten durchlaufen aktivierte B-Zellen hier eine starke Vermehrung, einen Klassenwechsel und eine Affinitätsreifung, die ihre Schlagkraft erhöhen.

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Abb. 250: Idiotypische Dysregulation

Idiotypische Dysregulation ist eine mögliche Erklärung für die lange Zeitspanne zwischen dem ersten Anlass und dem Ausbruch einer Autoimmunerkrankung: Antikörper (AK) binden an ein Antigen (AG), das zum Beispiel von einer Infektion herrührt. Sie werden ihrerseits Antigene für Autoantikörper (AAK1). Später entstehen andere Autoantikörper (AAK2), die wiederum an die Antigen-Erkennungsstellen der ersten Autoantikörper binden, und so weiter. Jede zweite Generation hat eine ähnliche Antigen-Spezifität wie die Antikörper gegen das ursprüngliche Antigen, das längst aus dem Körper verschwunden ist. Durch eine Kreuzreaktion erkennen die neuen Autoantikörper aber auch ein Autoantigen (AAG).

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